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E. BÜHRLE

ZÜRICH ^[[den 20.Dez.1952]]
ZOLLICKERSTR. 178
TELEPH. 32.51.04
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Herrn
Germain Seligmann,
5 East 57th Street,
[[underlined]] New York (22) [[/underlined]]

Sehr verehrter Herr Seligmann,

bei meinen Reisen handelt es sich leider mit seltenen Ausnahmen nicht um Fragen der Attraktion, sondern um geschäftliche Notwendigkeiten.  Nach Indien fahre ich beschämenderweise nicht um mir dieses interessante Land einmal anzusehen, sondern um der Einweihung einer Fabrik beizuwohnen, die wir dort für die indische Regierung erstellt haben.

Amerika steht für zweite Hälfte Februar-erste Hälfte März auf dem Programm, früher schaffe ich es nicht.

Die VAN BEUNINGEN-Ausstellung im Petit Palais habe ich gesehen.  Ihre Auffassung darüber, die Sie aus dem Katalog gewonnen haben, teile ich weitgehend.  Die Sammlung weist einzelne geradezu glänzende Kristallisationspunkte auf, aber das 19. Jahrhundert z.B. hätte man besser trotz einzelner guter Bilder weggelassen.  Trotz allem bedeutet diese Sammlung eine bemerkenswerte Leistung, und allein der VAN EYCK ist natürlich etwas Unerhörtes.

Aus der beiliegenden Karte ersehen Sie, dass ich [[strikethrough]] erst [[/strikethrough]] versuche, in Verbindung mit dem Pariser Kunsthändler Kaganovitch durch verschiedene Ausstellungen mit Preisen, wofür eine erstklassige Jury zusammengebracht werden konnte, eine Sammlung von Bildern der heutigen Pariser Malerei zusammenzubringen.  Ich hoffe, dass dann von diesen 50 - 100 Bildern, die ich im Laufe dieser Ausstellungen ankaufen will, einige überleben und den Aufwand rechtfertigen.  Wenn nicht, habe ich wenigstens den Trost, für den einen oder andern armen Teufel etwas getan zu haben.

Ihrem angekündigten Katalog über die Ausstellung "Manuscripts of the Dukes d'Arenberg" sehe ich mit grösstem Interesse entgegen.  Ihre guten Wünsche für Weihnachten und das neue Jahr 
erwidere ich mit meiner Familie herzlich.

Mit freundlichen Grüssen verbleibe ich

Ihr

[[signature]] Bührle [[/signature]]
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