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^[[1955 Xmas]]

[[printed header clipped from newspaper]]Seite 4/ Nummer 287 DER KURIER Freitag, 9. De[[/printed header]]

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Zwischen Catfish Row und Gedächtniskirche
Ein Mord ist arrangiert worden

Die Aufführung von Emlyn Williams' Gespenstergeschichte "A Murder has been arranged" durch englische Amateure (The Berlin Amateur Theatrical Society) im British Centre konnte man nur mit einer Portion Neid betrachten. Zwar wußte man, daß die Engländer eine respektable Amateur-Kultur besitzen, man ahnte aber nicht, wie gut ihre Laien-Schauspieler und wie zahlreich sie zugleich sind. Dieses bemerkenswerte Niveau, gespeist von unzähligen Amateur-vereinigungen der Engländer im In- und Ausland, wird nicht zuletzt auch durch die leicht schablonenhaften, aber eminent praktischen Stücke erzielt. Von dem wallsischen Theater-autor, Schauspieler und Dickensvorleser in Dickensmaske sind bereits mehrere Stücke in Berlin gezeigt worden, ohne daß sie aber bel aller Handfestigkeit und Kulissensicherheit einen stärkeren Eindruck hinterließen. Emlyn Williams hat hier nicht halbwegs die Popularität erringen können, die in der anglesächsischen Ländern besitzt.

"Ein Mord ist arrangiert worden" gehört zu den frühesten Arbeiten des Autors. Nachdem alle Versuche de Witwe eines Ermordeten vergeblich waren, den Verbrecher zu entlarven, der den perfekten Mord vollbracht hat und nicht zu überführen ist, läßt der Autor in der Schlußlösung einfach den Ermordeten frei nach "Macbeth" als Geist über die Bühne wandeln, was den Mörder hinhaut, so daß er ein Geständnis ablegt. Das ist ein "halbstarker" Trick, eine Jugendsünde. Davon abgesehen ist das Stück raffiniert wie ein kombinationsreiches Schachproblem gebaut; der Autor konnte aber auch mit Voraussetzungen arbeiten, die ein deutsches Publikum ihm nicht abnehmen würde — der Lord, der ermordet wird, pachtet ein Theater, um an seinem Geburtstag einen alten Mord zu rekonstruieren, den er als Okkultist durch einen Geist aufklären will.

Was die Comedia dell'Arte für die romanischen Völker, das sind diese als Konversationsstücke gebauten Kriminal- und Geistergeschichten für die Angelsachsen! Aus dem von Peter Hammond trefflich geleiteten Ensemble möchten wir Edward Lagnado als hintergründigen Macbeth und die Damen Hélène Aldwinckle, Sheila Cove und Olive Woodley namentlich herausheben. Der Beifall für alle Mitwirkenden war stark (der deutsche Kritiker muß sich aber fragen, warum die Amateurbewegung nicht wieder in Berlin festen Fuß fassen kann, wo sie einst in der Ressource und ähnlichen Stätten des vorigen Jahrhunderts blühte und dem Berufstheater berühmte Kräfte zuführte. Warum ist eigentlich in Berlin die Tradition abgerissen? Hing es damit zusammen, daß es kein echtes Repertoire mehr gab? Weil irgendeiner literarischen Mode zuliebe das alte Berliner Volksstück hochmütig in die Ecke gestellt wurde?). w.k.

Die dunklen Sänger mögen einander

Seit drei Jahren fährt nun die Porgy and Bess Companie durch die Welt, und überall, wohin sie kommt geht ihr der große Ruf einer Sensation voraus, die mehr hinterläßt als einen oberflächlichen Eindruck. Der innere Rhythmus eines Volkes verdichtet sich hier zu einem bildhaften Erleben, das um so stärker wirkt, wenn man diese Spieler und Sänger der "Catfish Row" persönlich kennenlernt. Der Star des Presseempfangs im Hotel am Zoo war unbestritten Ethel Ayler, die "Bess" der Premiere. Ihr zur Seite Leslie Scott. Er sang sich hinauf, bis ihm 1952 zum ersten Male in London der "Porgy" anvertraut wurde. Temperamentvoll spricht er über die bevorstehende Rüßlandfahrt.

"Die russische Schauspielkunst kennenzulernen, erscheint mir überaus wichtig. Politik ist nicht unsere Sache."
 
Helen Colbert, die junge Frau, die "Summertime" singt, war schon zu den Festspielen 1953 in Berlin. Sie und ihre Kollegin Helen Thigpen, die als Serena die "Totenklage" singt sind unersetzlich. Sie treten beide jeden Abend auf, während alle anderen Rollen doppelt besetzt sind. Lawson Bates, der crabman, und Mr. Smith, der honeyman, sind zum erstenmal in Deutschland. Alle überragt McCurry, ein Hüne von Gestalt. Ihnen allen, die da fröhlich ihren Cocktail trinken, merkt man nichts von Reisestrapazen an. Irgendeiner sitzt immer am Flügel, spielt eine Lieblingsmelodie, andere singen oder summen. Hin und wieder fällt ein bedauerndes Wort über den "poor Mister Smallens", den Chefdirigenten, dem es in jeder Stadt obliegt, mit fremden Orchestern zu proben, und der auch dieser party fernbleiben mußte. Das Geheimnis ihres Erfolges mag darin liegen, daß einer des anderen Freund ist. G.H.P.
 
An den Rauchfang geschrieben

Zum 100. Mal ist "Milans Digest" noch richtig. Auch das, was von Zeit zu Zeit über die Zeit gesagt wird, ist immer wieder zeitgemäß. Probleme, an die keiner denkt, werden hier spielend mit Witz gelöst. Flott und mit Verve wird das Programm am laufenden Bande serviert, frisch wie am ersten Tag und fast in der alten Besetzung (nur Wüstenhagens Part ist von Horst Keitel übernommen). Dazwischen läßt Thierrys bewährter Elektriker wieder die Funken blitzen. Mit Geist und Grazie sagt so das ganze Ja zu unserem Berlin zwischen Halensee und KaDeWe und mahnt seine Bürger, der Freiheit ihre kleine Chance zu geben. Und scheinen es manchmal Variation blühenden Blödsinns; warum - zum 100. Male - muß denn die Sache immer einen Sinn haben? wbs.

FILMTHEATER BERLIN
Der Mann aus Laramie

New Mexiko und die Pionierzeit in der redlichen Patentlösung für Gut und Böse, so wie sich das für einen ordentlichen Western gehört. Präzise und kernig gibt James Stewart aller paar hundert Filmmeter Einlagen mit Colt und Faust, während eine großartige CinemaScope-Landschaft zwischen Fels und Wüste schweigend triumphiert. Eine große Sache für Augenmenschen, und eine knallige Sache für Männer, die ihr Jungenherz loslassen wollen. -rr-

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[[Stationary heading image of two orchids and yellow ribbon on a dark blue background; printed]]
CONGRATULATIONS 
by WESTERN UNION
[[end heading]]
LD698XQ PD 
CHICAGO ILL 741P MAR 22 1954
MISS JOY MCCLEAN ^[[SA]]

STAGE DOOR CIVIC OPERA HOUSE 20 E WACKER DR CHGO CONGRATULATIONS AND BEST WISHES TO A FINE ARTIST  SINCERELY
HELEN COLBERT
806P

^[[my opening performance as Clara]]

[[End letter]]
[[Start Document; typewritten]]

PORGY AND BESS
Chicago Civic Opera House
Playing Schedule week of March 15, 1954
(Subject to change)
Special Note: Joy McClean will play "CLARA" all performances from March 15th through March 22

[[three column table]]

    | [underlined]]Porgy[[/underlined]] | [[underlined]] Bess[[/underlined]]
Monday Evening, March 15 | Scott | Price
Tuesday Evening, March 16 | Hutcherson | Williams 
Wednesday Evening, March 17 |Scott | Price
Thursday Evening, March 18 | Scott | Williams 

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